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Udo L. und Hermann H.

Herr Schnierle-Lutz, Sie gelten als "Hesse-Experte" und haben schon mehrere Bücher über den Dichter veröffentlicht. Wie würden Sie Ihre Beziehung zu Hermann Hesse beschreiben?


Hermann Hesse ist ein Schriftsteller, mit dem man lebenslang im Dialog stehen kann. Die Art und Weise, wie er sein eigenes Leben erkämpft und gestaltet hat (Udo würde sagen: "sein Ding gemacht hat"), ist eine wertvolle Anregung beim eigenen Ringen um ein sinnvolles, kreatives und erfülltes Leben. Hermann Hesses Bücher sind Zeugnisse seiner faszinierenden Suche nach Selbstverwirklichung. Daran kann man sich orientieren und reiben.

Wohin man blickt, Hermann Hesse ist auf dem Buchmarkt überall präsent, in allen Variationen und Editionen - was ist das Besondere an dem "Hesse-Lesebuch" von Udo Lindenberg?


Hermann Hesse hat den Stoff für seine Bücher immer mitten aus seinem eigenen Lebenskampf gewonnen. Deshalb bleibt er auch heute aktuell und spannend für unzählige Menschen, die ähnliche Lebenskämpfe durchstehen müssen auf dem Weg zu der eigenen Lebensgestaltung. - Bei der Zusammenstellung des Hesse-Lesebuchs haben Udo und ich versucht, die in dieser Hinsicht aussagekräftigsten Textes Hesses zusammenzustellen, die auch uns von jungen Jahren an mit Hesse und seinem Werk verbunden haben. "Mein Hermann Hesse" ist von daher ein Lesebuch für junge und jung gebliebene Menschen, für Menschen, die sich nicht einfach dem Mainstream anpassen und unterwerfen, sondern auf der Suche sind nach eigener Persönlichkeit und Entfaltung.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit zwischen Ihnen beiden?


Als Udo in Hermann Hesses und meine Geburts- und Jugendstadt Calw kam, um das Hesse-Museum zu besichtigen, habe ich ihn durch die Ausstellung zum Leben und Werk Hesses geführt. Und als Udo wenig später seine Stiftung in Calw ansiedelte, da diese auch im Geiste Hermann Hesses handeln soll, vertiefte sich unser Kontakt und ich wurde in das Kuratorium der Lindenberg-Stiftung berufen. Besonders eng haben wir in der Frage zusammengearbeitet, wie wir die nachwachsenden Generationen auf Hesse aufmerksam machen können. Dabei entstand die Idee, bei dem von der Stiftung ins Leben gerufenen Bandwettbewerb um den Panikpreis, bei dem anspruchsvolle deutsche Texte eine Rolle spielen sollen, auch Hermann Hesse ins Spiel zu bringen. Deshalb gibt es nun einen Hesse-Sonderpreis für gelungene Vertonungen von Werken Hesses oder Songs, die vom seinem Denken inspiriert sind. Und in diesem Zusammenhang ist auch das Hesse-Lesebuch entstanden, das den teilnehmenden Musikern besonders geeignete Texte des Dichters zur Verfügung stellen will.

Warum sollte ein junger Mensch Hermann Hesse lesen? Und welchen Roman würden Sie als "Einstiegsdroge" empfehlen?


Das Wort Droge halte ich hier nicht für geeignet, da Drogen in die Abhängigkeit führen und Hermann Hesse mit seinen Werken gerade das Gegenteil beabsichtigt, indem er zur Suche nach einem eigenständigen, von allen Moden, Drogen und opportunistischen Anpassungen unabhängigen Lebensweg anregen will. Da Hermann Hesse selbst sein ganzes Leben darum gerungen und daraus den Stoff für seine Bücher gewonnen hat, ist das Wertvolle an seinem Werk, dass man darin für jedes Lebensalter einen besonders geeignetes Werk finden kann: Für Leserinnen und Leser in Jugendjahren enthält der Roman "Unterm Rad" Themen, die sie besonders betreffen. Für Jugendliche am Übergang zum Erwachsenwerden ist es der Roman "Demian". Jüngere Erwachsene - sofern sie künstlerische Ambitionen haben - wird "Klingsors letzter Sommer" ansprechen. Der Roman "Steppenwolf" ist eine aufwühlende und faszinierende Auseinandersetzung für Menschen die in den Krisen der mittleren Lebensalter stehen. "Siddhartha" und "Narziss und Goldmund" sind beispielhafte Gestaltungen der Suche nach eigenen Lebenswegen, die in jedem Erwachsenenalter mit Gewinn lesbar sind. Und im Alter bietet Hesses Alterswerk "Das Glasperlenspiel" eine Menge Anregungen. Ein Hesse-Appetitmacher erster Güte ist natürlich Udos Hesse-Lesebuch.

Sie waren mit Udo Lindenberg mehrfach auf Reisen, haben wichtige Stationen im Leben Hermann Hesses gemeinsam besucht. Das große Konzert zum Panikpreis-Wettbewerb fand bisher in Calw (Hesses Geburtsstadt) und Tübingen (Ort seiner Buchhändlerlehre) statt. Welcher dieser Orte soll Ihrer Meinung nach der nächste Austragungsort für ein Hesse-Festival werden?


Gaienhofen und Montagnola wären natürlich auch noch attraktive Hesse-Orte. Allerdings wäre dort aufgrund der beengten topografischen Lage die Logistik für ein solch großes Konzertereignis kaum zu bewältigen. Ich denke, mit dem großzügigen Arreal in den Klosterruinen in Calw-Hirsau ist für 2012 eine ideale und besonders stimmungsvolle Austragungsstätte gefunden worden. Der geistesgeschichtlich bedeutsame Ort verdeutlicht auch, dass es sich bei dem Festival am 21. Juli 2012 nicht um ein landläufiges Remmidemmi-Musikevent handelt, sondern um den Versuch, moderne Rock- und Popmusik mit aussagestarken deutschsprachigen Texten zu fördern.

Das Buch "Mein Hermann Hesse. Ein Lesebuch" von Udo Lindenberg und Herbert Schnierle-Lutz gibt es HIER.

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An-Stifter und Inspirator

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"Hermann Hesse war mit seiner Literatur des Eigensinns schon immer ein starker Inspirator und Impulsgeber für mich, für meine Texte und meine Musik. Bei meinem ersten Besuch in seiner Geburtsstadt Calw lag Magie in der Luft – und der geistige Grundstein für die Udo-Lindenberg-Stiftung wurde gelegt. Die Stiftung soll Leben und Werk des großen Meisters Hermann Hesse mit moderner Musik verbinden und so mit noch mehr Kraft in alle Zukunft tragen - und Brücken bauen zur lindianischen Panik-Lyrik und weiter zu den Texten der Steppenwölflinge von jetzt."

Udo Lindenberg

Video Panikpreis
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