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Festival des "Eigensinns"

Im beschaulichen Schwarzwaldstädtchen Calw tobt alle zwei Jahre der Panikbär – wenn Udo Lindenberg und seine Panikpreisgewinner die ehrwürdigen Gemäuer rund um den Marktplatz zum Beben bringen!

Eigentlich hätten wir 6 erste Plätze vergeben müssen! Jede Band hier hat den Goldenen Hut verdient!

so Udo Lindenberg, Gründer der Udo Lindenberg Stiftung und Erfinder des Songwettbewerbs PANIKPREIS. Die Jury musste sich trotzdem entscheiden. Und kürte ausgerechnet den "eigensinnigsten" Act mit den meisten Ecken und Kanten zum Sieger des diesjährigen PANIKPREIS-Wettbewerbs!

Udo Lindenberg erzählt von seiner Seelenverwandtschaft mit Hermann Hesse (Foto: Tine Acke)

 

Es ist wie jedes Mal ein sehr berührendes und gleichzeitig außerirdisch verrücktes Fest zu Ehren von Hermann Hesse - der Udonaut landet mit Karacho in der Stadt, aus der der Dichter einst fliehen musste, weil er die kleinbürgerliche Enge wie ein Gefängnis empfand. Wie auch Udo, der "kleine Matz aus Gronau", wurde er in seiner künstlerischen Berufung nicht ernstgenommen und machte sich auf in die Freiheit eines "eigensinnigen" Lebens - ausschließlich sich selbst verpflichtet. Aus der Überzeugung heraus, dass jeder Mensch seinen ganz eigenen Weg gehen muss, rief Udo Lindenberg diesen Bandwettbewerb ins Leben, der heute zum vierten Mal stattfindet.

Stephanie Hill (Foto: Tine Acke)

Hier treten Bands auf, die etwas zu sagen haben - so wie die deutsch-französische HipHop-Formation ZWEIERPASCH, die Kulturen verbinden und Grenzen überwinden will - oder LENNART A. SALOMON, der den speziellen Groove im Blut hat und "geile kompakte Mucke" macht (Udo L.) - oder MILLER, der authentische Geschichten aus dem Leben eines 20-Jährigen erzählt und bis in die hintersten Reihen für Begeisterung sorgt. Und STEPHANIE HILL performt alleine mit Gitarre ihre Hesse-Vertonung "Für Ninon", für die sie den Sonderpreis der Sparkasse Pforzheim-Calw verliehen bekommt.

Kapelle Herrenweide (Foto: Tine Acke)

Der Opener "Kapelle Herrenweide" heizt dem Publikum schon beim ersten Takt richtig ein. Die perfekt eingespielte Band schafft es mit ihrer super Live-Show, ihren politisch engagierten Texten und ihrem Mix aus Punk, Ska, Pop und Polka auf den dritten Platz. Und das Wichtigste: Jeder einzelne von ihnen brennt für das was er da tut - das ist nicht zu übersehen.

"Deine Cousine" (Foto: Tine Acke)

Auch "Deine Cousine" erobert die Herzen der Jury mit ihrer Power-Performance und sehr speziellen Bühnenaura. Die Sängerin wird als "originelle Type" (Ben Streubel), großes Talent und "Energie-Act" (Udo L.) auf den zweiten Platz gewählt - sie singt vom Proletariat und lesbischer Liebe, und schon nach zwei Songs ist klar, dass sie genau dahin gehört wo sie gerade steht: auf eine große Bühne, vor ein paar tausend Zuschauer. Bald wird der Panikpräsident sie in die Geheimnisse des Popbusiness einweihen, wenn sie ihren Preis einlöst und zum "Panikkurs" nach Hamburg fährt.

Ibrahim Lässing (Foto: Tine Acke)

Und dann kommt Ibrahim Lässing: Frech, mutig, crazy, unverstellt und unbemüht. Er ist weder aufgesetzt provokant noch will er zeigen, was er alles kann. Er springt ins kalte Wasser - es ist sein allererster Auftritt überhaupt. Wenn Udo L. als absoluter Ausnahme-Meistertexter und Sprachjongleur betont, wie "superinteressant" er die Songtexte von fast allen Finalisten findet, Pop-Akademie-Direktor Udo Dahmen dann besonders die Songwritingkunst dieses Newcomers lobt, und Rita Flügge-Timm von einer "echten Entdeckung" spricht, weil dieser Lässing "Texte schreibt, die sonst niemand macht", ist schnell klar, dass er am Ende den Goldenen Hut mit nach Hause nehmen wird. Auch Hitschreiber-Koriphäe Michel van Dyke gefällt der "für den deutschen Markt sehr auffällige Powerpop mit sehr originellen Texten". Auf die Frage des Moderators Arno Köster, wie Lässing beim Texten auf Ideen kommt, sagt dieser:

Beim Texten muss man nichts erfinden, die Realität ist verrückt genug.
Lässing mit Band (Foto: Tine Acke)

Doris Decker erinnert sich bei diesem Auftritt daran, wie sehr auch Udo in seinen Anfängen mit Skurilität und Querdenkerei angeeckt ist, und dass sein unumstößlicher Glaube daran, dass Neues und Erfinderisches sich durchsetzen kann, ihn letzendlich so groß gemacht hat:

Lässing bricht die Hörgewohnheiten des deutschen Popmainstreams wie kein anderer Act zuvor und genau deshalb hat er uns alle so umgehauen! Er schöpft aus sich selbst heraus, er hat eine völlig eigene Wort- und Bildwelt, und er hat Mut!

so die Songschreiberin und Saxophonistin.

Im Sinne der Hesseschen Inspiration zur "Eigensinnigkeit" werden die Jury-Mitglieder mit dieser Entscheidung ihrer Aufgabe, "auch abseits des Mainstreams Talente zu erkennen, die möglicherweise auch anders und nicht für Jedermann Sympathie-Träger sind" (Rita Flügge-Timm, Warner Music) mehr als gerecht.

Die PANIKPREIS-Live-Jury 2014 (Foto: Tine Acke)

 

Ibrahim Lässing passt dann auch ganz wunderbar ins Grande Finale des Festivals: die Show von Udo Lindenberg und dem Panikorchester! Das Geburtshaus von Hermann Hesse wackelt, der ganze Panikzirkus löst wie immer ein buntes Feuerwerk der Emotionen aus - und Hermann, Hermine und Gustav schauen von den fernen Sternen dem Spektakel zu...

Ein großes Dankeschön geht an die Hesse-Haus-Besitzer Familie Schaber und alle Spender und Sponsoren des Panikpreisfinales 2014!!