Roger Stein

Musik

 
Wettbewerbstitel #1

Hermann Hesse
Vertonung zweier Gedichte
(Text: Hermann Hesse; Musik: Roger Stein)

Voll Blüten
Voll Büten steht der Pfirsichbaum
Nichtjede wird zur Frucht,
Sie schimmern hell wie Rosenschaum
Durch Blau und Wolkenflucht

Wie Blüten gehen Gedanken auf,
Hundert an jedem Tag
Lass blühen! lass dem Ding den Lauf!
Frag nicht nach dem Ertrag!

Es muss auch Spiel und Unschuld sein
Und Blütenüberfluss,
Sonst wär die Welt uns viel zu klein
Und Leben kein Genuss

WH:
Wie Blüten gehen Gedanken auf..

Welkes Blatt
Auch der schönste Sommer will
Einmal Herbst und Welke spüren
Halte, Blatt, geduldig still
Wenn Winde dich entführen

Spiel dein Spiel und wehr dich nicht
Und lass es still geschehen
Lass vom Winde, der dich bricht
Dich sanft nach Hause wehen

 
Wettbewerbstitel #2

Sie schaun in Deinen Kopf

Ich denke schon seit Tagen
stets das Gegenteil
von – dem was ich sonst denken würde
und ich denke weil

ich nicht das denk, was ich zwar denk
denk ich vielleicht verkehrt,
doch das würd ich ja nur denken
wenn ich – so denken würd

jedoch das tu ich nicht und das genau
scheint auf Anhieb zwar verrückt
doch wenn ihr mir nicht folgen könnt
ist es mir geglückt

Denn sie schaun in Deinen Kopf
Und sie schauen Dir ins Hirn
Drum muss ich tun, was ich tun muss
um den Gegner zu verwirrn

Denn sie schaun in Deinen Kopf
Und folgen jedem Nervenstrang
Drum sabotier ich meine Logik
und den Kausalzusammenhang

Seither ist meine Meinung
etwas komisch – kann passier’n
und ich kauf auch nur noch Bücher,
die mich gar nicht interessiern

selbst beim Essen, da bestell ich
nur noch das, was mir nicht schmeckt
und das alles nur aus Sorge, dass man
mein wahres Ich entdeckt

Ich bau aus fremden Menschen
einen neuen Freundeskreis
Mit echten Freunden hier befreundet sein
Ist länger schon zu heiss

Denn sie schaun in Deinen Kopf
Und sie schauen Dir ins Hirn
Drum muss ich tun – was ich tun muss
Um den Gegner zu verwirrn

Sie schaun in Deinen Kopf
Die ganze Zeit – rund um die Uhr
darum leg ich falsche Fährten
und verwische meine Spur

Neulich fand ich ein paar Bilder
in einem alten Fotoband
Und ich gebe gerne zu
ich hätte mich beinah nicht erkannt

Was hab ich mich verändert
Mensch - das hätt ich nie gedacht
Vielleicht hat mich mein falsches Denken
Erst recht zur Gefahr gemacht

Ich würde mir nicht trauen
Hab mich selber in Verdacht
Darum seh ich’s durchaus ein
Dass man mich besser überwacht

Denn sie schaun in Deinen Kopf
Und sie schauen Dir ins Hirn
Drum muss ich tun – was ich tun muss
Um den Gegner zu verwirrn

Denn sie schaun in Deinen Kopf
und durchwühlen Dein Gefühl
Darum fühl ich jetzt das Falsche
Aber durchaus mit Kalkühl

Denn Sie schaun meinen Kopf
Hinter meinen Geistesputz
Und das bisschen Überwachung
Ist doch nur zu meinem Schutz

Sie schaun in meinen Kopf
Und haben alles schon notiert
Nur damit es keinen wundert
Wenn irgendwann was explodiert

 
Wettbewerbstitel #3

Dein Glanz ist eher schmächtig im direkten Schein
Dein Wirken wird erst mächtig im verdeckten Sein
So winzig und klein in jeder Faser Natur
Deine Teilchen schweben frei zwischen Spannung und Struktur

So wie morgen und jetzt, so wie Dunkel und Licht
So wie der Pflug, der durch den harten Boden bricht
Wir preisen uns’re Sonne, weil sie leuchtet und wärmt
Weil ein jedes Herz von dieser Sonne schwärmt.

Und wir preisen unser Wasser, und dass alles zirkuliert
Du bist die Nebensache, die das alles reguliert
Kein Halm und keine Faser wachsen, wo Du nicht bist
Du bist das kleine Komma, das man gerne vergisst

Du bist der vierte Grund für Leben
Du bist schuld an den Ideen
Der vierte Grund für Leben
Den wir gerne überseh’n
In jeder Zelle, jeder Faser, jedem Baum und jedem Tier
Bist einmalig und besonders – und doch: so unscheinbar wie wir

Du bist das wichtigste Stück Nahrung, das man braucht und das uns stärkt
Genügsam und bescheiden, wirst oft nicht mal bemerkt
Du stehst als Synonym für Wandel von Beginn an bis zum Schluss
Dein Sinn und auch dein Handeln sind ein einziger Fluss

Dein Wechselspiel mit allem sprengt jede Phantasie
Was Dich ausmacht ist nicht Masse – sondern pure Energie
Du bist der Stoff durch den wir denken, der Gedanken schaltbar macht
Du bist schuld an all dem Käse und der ihn haltbar macht

Deine Gegenwart ist in uns und so unverhandelbar
So wie Hass und auch die Liebe; und so vielfach wandelbar
Du bist der Leerschlag meiner Zeilen, du wirst immer unterschätzt
Du bist die Klammer und der Punkt, den man am Ende drunter setzt

Du bist der vierte Grund für Leben
Du bist schuld an den Ideen
Der vierte Grund für Leben
Den wir gerne überseh’n
In jeder Zelle, jeder Faser,
jedem Baum und jedem Tier
Bist einmalig und besonders – und doch: so unscheinbar wie wir

Ein Kristall, der ist pur und ein Stein, der gefällt
Hingegen deine Struktur, wenn sie nass wird, zerfällt
Und wenn man mich verbrennt und was auf meinen Grabstein schreibt
Bist du der letzte Rest, der von mir übrig bleibt

Du bist der vierte Grund für Leben
Du bist schuld an den Ideen
Der vierte Grund für Leben
Den wir gerne überseh’n
Du bist die Symphonie des Wandels – und eines ist wohl klar
was wirklich wichtig ist, ist meistens unscheinbar...

Worte

Roger Stein - Flegeljahre
Regeln, Revolte und Post-Romantik
Nach drei sehr intensiven Bühnenjahren und vielen berauschenden Konzerten präsentiert Roger Stein sein zweites Soloprogramm „Flegeljahre“.
Mitreissendes Musik-Flegel-Entertainment zwischen Comedysongs, Liedermacherei und Post-Romantik. Vordergründig, hintergründig, nebengründig und immer wieder mit ungebremstem Mut für Schönes, für Weiches, für Unscheinbares – energiegeladen und zart zugleich. In verspielter Vielseitigkeit mit Selbstironie und Charme rauscht Roger Stein virtuos und multiinstrumental durch sein zweites Soloprogramm und gibt zeigefingerlos – aber nicht mittelfingerlos! – eine feurige Anleitung für diszipliniertes Revoluzzertum.
Als Kind steckt in jedem von uns ein kleiner Revoluzzer. Aber wer ist eigentlich daran schuld, dass wir aufhören zu “flegeln“, dass wir eines Tages „nett“ werden und uns den Regeln der Gesellschaft fügen? Und werden wir wirklich „nett“? Warum passen wir uns an? Wäre mehr Flegelei nicht wünschenswert? Und woher rührt unser gesellschaftlicher Gehorsam?
Und hat man ein reines Gewissen nur weil man es nicht benutzt?

Musikalisch hat Roger Stein sein Spektrum längst über die Grenzen der klassischen Liedermacherei hinaus erweitert. Das Klavier bleibt zwar sein Hauptgestirn, jedoch flankiert von Loopern, Percussion, Rhodes und anderen Klangspielwiesen, auf denen sich der Multiinstrumentalist und Reimakrobat austobt.
Als Entertainer mit Wiener Charme enttarnt Stein sprachliche Nebelmaschinen, misst die Oberflächen von Oberflächlichkeiten, lässt Schaumstofflogik schmelzen, wirft Gedichte in den Raum und rechnet mit dem Vielleicht-Kult der Generation-Y ab.
Ein Abend voll Energie, Kraft und Romantik.

Biographische Kurzskizze:
Zürich, Wien und derzeit Berlin: Dies sind die drei Heimatpunkte Autors und Musikers. Roger Stein wuchs nach dem Tod des Vaters als Einzelkind mit seiner Mutter auf. Er erhielt seit dem achten Lebensjahr eine klassische Klavierausbildung und studierte an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien. Parallel dazu absolvierte er sowohl ein Studium der Theater- und Musikwissenschaft als auch der Germanistik an der Universität Wien und promovierte über “Das deutsche Dirnenlied”.

Fotos

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Gästebuch

#3 Nadine schrieb am 18.04.2016

Hey Roger!

Ich freu mich auf den 30.04.! :)
Liebe Grüße und viel Glück!
Nadine

#2 Tina schrieb am 18.04.2016

Einen Daumen für Dich und einen für Nadine

#1 Simone schrieb am 18.04.2016

Starke Lieder und eine wirklich schöne Hermann Hesse Vertonung. Daumen sind gedrückt! :-)

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