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"Ey Hermann, keine Panik!"
v.l.: Andreas Weitkämper, Nicolas Sturm,
Udo Lindenberg, Rita Flügge-Timm
(Foto: Tine Acke)

Der von der Udo-Lindenberg-Stiftung ausgeschriebene Songwettbewerb "Panikpreis" feierte am vergangenen Samstag sein großes Finale in der Hesse-Stadt Calw. Eine Jury unter dem Vorsitz von Udo Lindenberg kürte den Songwriter Nicolas Sturm zum ersten Sieger. Den zweiten Platz belegte die Rockband "Turbine Weststadt", der Rapper MisterME nahm den dritten Panikpreis mit nach Hause. Der Sonderpreis für die beste Hesse-Vertonung ging an AnnaLu. Im Anschluss gab der Panikrocker und Initiator selbst ein zweistündiges Konzert mit seinem Panikorchester.

"Was für eine gigantische Kulisse!" freute sich Panikrocker Udo Lindenberg, als er das von seiner Stiftung initiierte "Hermann-Hesse-Festival" eröffnete und die diesjährigen Nachwuchsbands präsentierte, "die sogar noch'n Tick jünger sind als wir." Rund 4000 Leute füllten den Calwer Marktplatz. Aus den Fenstern des Geburtshauses von Hermann Hesse verfolgte die Jury die Live-Endausscheidung des Wettbewerbs, der sich als Gegenentwurf zu den TV-Casting-Shows versteht und viel Wert auf eigenständige, innovative Musik mit guten deutschen Texten legt.

Von insgesamt rund 300 Bewerberbands waren seit Ende März 2012 in drei Jury-Sitzungen sechs Bands in die letzte Runde gewählt worden, um mit jeweils zwei Songs live vor Jury und Publikum um den "Panikpreis" zu spielen: MisterME, Mark Tarmonea, Nicolas Sturm, Herbe Sahne, Fabian von Wegen und Turbine Weststadt. Die 13-köpfige Jury zeigte sich erfreut über die wachsende Professionalität der Bewerber, und einigte sich relativ schnell auf drei Favoriten.

Sängerin Julia Neigel äußerte sich sehr positiv "über das hohe Niveau der künstlerischen Qualität, die ich hier von jungen Musikern zu hören bekomme! Ganz besonders freut es mich zu sehen, dass auch die sensible und gesellschaftskritische Beobachtungsgabe der Künstler zunimmt: Es gab Zeiten, da waren die deutschsprachigen Songtexte viel selbstbezogener, hatten einfach nur den Spaß im Leben als Idee. Dass jetzt die Songtexter tendenziell wieder wachsamer werden, ist ein gutes Zeichen."

Nicolas Sturm aus Karlsruhe war als einziger ohne Band angereist, präsentierte seine Songs solo mit Akustikgitarre - und begeisterte die Leute bis in die hintersten Reihen.


Daran erkennt man sein künstlerisches Potenzial, seine Eigenständigkeit und die hohe Qualität seiner Songs. Nicolas Sturm macht ganz im Sinne des Hesse-inspirierten Panikpreises "sein Ding": Er singt und textet sehr speziell und mit viel Leidenschaft, seine Stimme hat einen hohen Wiedererkennungswert. Und eine Art von Authentizität, die mich sehr an den jungen Bob Dylan erinnert!

so Rita Flügge-Timm von Warner Music. Sängerin Josephin Busch fielen vor allem seine poetischen Texte auf, die sie als "sehr filigran - nicht plump und nicht zu verkopft" beschreibt. Auch an Erfolgsproduzent Henrik Menzel ging die emotionale Performance des Sängers nicht spurlos vorbei: "Das war der einzige Song, bei dem ich Gänsehaut hatte."
Die Expertenrunde war sich einig: Der Goldene Hut 2012 und 3000 Euro Preisgeld gehen an Nicolas Sturm.*BR*
Turbine Weststadt bezeichnete Jury-Vorsitzender Udo Lindenberg als "Riff-Rock-Band mit Temperament. Larry und Randale, volles Brett - und die Texte schön frech und provokant, ganz im Sinne von Hermann Hesse und mir!" Die herausragende Live-Performance der Band beeindruckte sämtliche Jury-Mitglieder.
> Sehr geil gespielt, ein zeitloser, ganz eigener Sound. Man merkt, dass sich die Band schon richtig gefunden hat - das war sehr überzeugend.

so Andreas Weitkämper von Warner Music. Der zweite Panikpreis ging an Turbine Weststadt: 2000 Euro und ein "Panikkurs" mit Udo Lindenberg, der ankündigte, er wolle die Band dann "mal schön durch den Rock'n'Roll-Gulli schleifen in Hamburg oder Berlin".*BR*
MisterME wurde von einem Gitarristen und einem Percussionisten auf der Cajon begleitet. "Dieser Akustik-Hip-Hop ist ein interessantes Konzept. Der Sänger hat es geschafft, das Publikum sehr schnell in seinen Bann zu ziehen, obwohl er der erste Act war!", so Popakademie-Direktor Udo Dahmen. Songschreiberin Doris Decker empfand MisterME mit seinen Texten als "sehr ehrlich und unverstellt. Man merkt, er hat das Herz am rechten Fleck." Der Rapper und Songschreiber Micha Meißner war dann auch sichtlich überrascht und extrem erfreut über den dritten Panikpreis, der mit 1000 Euro dotiert ist und ein individuelles Coaching an der Popakademie in Mannheim beinhaltet.*BR*
Im Anschluss griff der Stiftungsgründer Udo Lindenberg selbst zum Mikrofon und rockte zwei Stunden lang mit seinem Panikorchester, dass die ehrwürdigen Gemäuer rund um den Calwer Marktplatz zu beben schienen. Seine Stiftung unterstützt in diesem Jahr neben dem Panikpreis auch den noch jungen Verein "Watoto Wa Kenya e.V.", der nachhaltig und transparent drei humanitäre Hilfsprojekte in Kenia betreut. Ein Teil der Eintrittsgelder des Konzerts fließt direkt ins diesjährige Afrikaprojekt der Stiftung, in dessen Mittelpunkt Überlebenssicherung und Schulbildung für die Ärmsten der Armen stehen. Das Hermann-Hesse-Festival mit dem Live-Finale des "Panikpreis"-Wettbewerbs findet alle zwei Jahre statt.*BR*
[http://www.watotowa.de/ Watoto Wa Webseite]

[http://www.pz-news.de/videos_video,-Udo-Lindenberg-rockt-Calw-_videoid,3932.html Zum Video der Pforzheimer Zeitung]