Kreative Inspiration und kritisches Engagement

Texte, die (etwas) bewegen

Ein Leben lang auf Wahrheitssuche: Udo Lindenberg findet sich in den Worten Hermann Hesses wieder, hier im Hesse-Museum in Montagnola. (Foto: Tine Acke)

Der Panikpreis bezieht seine Grundlage aus dem Werk zweier seelenverwandter Künstler: dem textlichen und musikalischen Udo Lindenbergs sowie dem schriftstellerischen und philosophischen von Hermann Hesse. Vor allem durch Texte - Songs, Gedichte, Romane, Essays und Briefe - wird ihre Botschaft transportiert, geprägt von der Überzeugung, dass künstlerisches Schaffen nicht dazu dient, sich in bloßer oberflächlicher Unterhaltung und Entertainment zu erschöpfen, sondern mit einer klaren Haltung wichtige Fragen der Existenz und des Zusammenlebens zur Diskussion zu stellen. Hermann Hesse hat Themen angesprochen, die für unsere heutige Welt und ihre Zukunft von elementarer Bedeutung sind und die auch Udo Lindenberg in seinen Songs immer wieder thematisiert: Krieg und Frieden, Individualität und Herdentrieb, Opportunismus und Freiheit, Gewalt, Nationalismus, Rassismus, Fundamentalismus und dagegen Toleranz, Liebe, Verantwortung. Hermann Hesse schrieb zum Beispiel nach der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges:

Mit Nationalismus bezeichne ich die Stufe des nationalen Selbstbewusstseins, auf welcher der Gedanke der Brüderschaft aller Menschen in Gefahr ist, überwältigt zu werden. (Hermann Hesse in einem Brief vom 28. 8. 1948 an den Schriftsteller Max Brod) > Friede auf Erden und Freundschaft unter den Menschen wird niemals aufhören, unser höchstes Ideal zu sein. (Hermann Hesse 1955 in seiner Dankrede anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels) Auch Udo Lindenberg singt über die Gefahr nationalistischen und rassistischen Gedankenguts. In seiner Emigranten-Revue Atlantic Affairs] etwa spannt er den Bogen vom Dritten Reich bis in die Gegenwart, deren Kriege und Konflikte oft über nationalistisch-rassistisches Denken hinaus von religiösem Fundamentalismus oder kapitalistischen Interessen geprägt sind:

Wunderschön ist's in New York, wenn die Türme wieder steh'n - kannst von ganz hoch oben weit bis nach Bagdad seh'n - Kinder, die lachen, und kein Hunger, und das Erdöl schießt aus dem Boden, der allen gehört, dass endlich Frieden ist. (Udo Lindenberg: Koffer für Berlin) Ein starkes Gerechtigkeitsgefühl spiegelt sich bei beiden Künstlern wider. Themen wie die Ausbeutung der Drittweltländer, soziale Diskrimierung und die deutsch-deutsche Teilung ziehen sich seit Jahrzehnten durch Udo Lindenbergs Liedtexte. Zeitkritik ist für beide Künstler eng verbunden mit der Herausbildung der Eigenverantwortung des Einzelnen. Im Sinne der beiden Ur-Inspiratoren will der Panikpreis-Wettbewerb Motivation sein, sich als Künstler(in) zu positionieren: durch das individuelle, "eigensinnige" kreative Schaffen - und darüber hinaus. > Ich glaube an die Macht der Idee, denn eine Idee ist für mich nicht ein Hirngespinst, sondern ein Vorausfühlen, eine Zukunftsahnung der Menschheit. (Hermann Hesse in einem Brief vom 3. Januar 1917 an Hans Sturzenegger) > Andere denken nach, wir denken vor. (Udo Lindenberg)