Aktuelles

Unser Kenia-Projekt 2014
v.l.n.r.: Angelika Janicke, Gabi Bentlage,
Sabine Veddeler, Birgit Farnbacher,
Udo L., Annedore Biberstein, Arno Köster.

Die Schweizerin Annedore Biberstein kämpft mit großem Einsatz für bessere Lebensbedingungen von Kindern in Kenia, sie ist die Gründerin des Vereins "Kenyan Children Help" und der "New White House Academy" und lebt in Voi.

Im Interview erzählt sie, wie es dazu kam und wofür die Spenden der Udo Lindenberg Stiftung eingesetzt werden:

Wann warst du zum ersten Mal in Afrika, und wie waren deine Eindrücke?

Annedore Biberstein: 1977 kam ich das erste Mal nach Kenia, eher widerwillig, aber beruflich bedingt. Die Schönheit des Landes und die Freundlichkeit der Menschen schlugen mich in ihren Bann. Bei einer meiner Safaris kam ich schon bald einmal nach Voi, es bestand damals nur aus ein paar Häusern. Als ich vor 6 Jahren wieder da war, fand ich ein Städtchen vor mit vielen Geschäften, Banken und Krankenhaus. überall begegnete man mir freundlich.
 

 

Wie kam es zu deinem Projekt, und was hat sich seither getan?

 Während der Präsidentenwahlen 2007/08 war ich wieder - wie so oft zuvor - in Kenia und habe hautnah miterlebt, wie schlimm die Unruhen und Verwüstungen waren, die durch die politisch angefachten Kämpfe stattfanden. In mir entstand der Wunsch zu helfen. Nach einiger Überlegung fand ich, dass Bildung die beste Hilfe sei und gründete Anfang 2008 den Verein Kenyan Children Help.
Leider ging ich einem Betrüger auf dem Leim, der die Schule in Mackinnon Road betreuen sollte. 2010 als ich dann definitiv nach Kenia umsiedelte erkannte ich das Ausmaß seiner Veruntreuungen und wollte das Projekt aufgeben. Aber die Kinder wären die Leidtragenden gewesen, und so verlegte ich die Schule in die Nähe von Voi. Hier fand sich ein geeignetes Objekt, es war eine vor langer Zeit verlassene Schule, die ziemlich verfallen war auf einem 9 Acres großen Grundstück. Alles konnte ich für 25 Jahre leasen, kürzlich hat der Besitzer offeriert, uns das Ganze zu verkaufen, zu dem relativ günstigen Preis von EURO 36'000. Wenn man ausrechnet wieviel der Lease kostet, würde sich das lohnen.

Mit 24 Kindern kamen wir am neuen Ort an, rodeten, renovierten und änderten die bestehenden Gebäude, so dass wir mit dem Unterricht anfangen konnten. Nach unzähligen Interviews mit Lehrkräften hatte ich eine gute Truppe zusammen, die Schule wuchs schon fast zu rasant - so hieß es stets erweitern und neue Klassenzimmer bauen. 7 neue Klassenzimmer haben wir inzwischen, einen Kindergarten und eine Vorschule. Die 13 Lehrkräfte und viele der 21 anderen Angestellten wohnen alle auf dem Gelände. In der rauchigen Küche wird mit Feuerholz gekocht und das Wasser für die Kinder gewärmt, damit jedes mit einem Kessel am Abend duschen kann. Fließendes Wasser haben wir nicht, Elektrizität auch noch nicht lange. Gaby Bentlage mit dem Verein Watoto wa Kenya hatte uns diese finanziert und auch sonst bei vielem geholfen. Dank ihr bekamen auch alle Kinder warme Wolldecken. Alles ist sehr einfach, aber es gibt immer genug zu essen und wir sind bestrebt, den Kindern neben dem Schulstoff vieles zu vermitteln was ihnen im späteren Leben helfen kann.
 
Wofür werden die Spendengelder am dringendsten gebraucht?

Die Spendengelder werden für Neubauten und Renovationen eingesetzt. Letztes Jahr haben wir für rund CHF 80'000 gebaut und renoviert, im Jahr zuvor für CHF 30'000. Es wurde zwar letztes Jahr etwas mehr gebaut als im Jahr 2012, die gewaltige Teuerung hat aber auch dazu beigetragen, dass der Betrag höher war.
 
Wie sieht ein typischer Tagesablauf von dir aus?

So um 6 Uhr früh trinke ich meinen Kaffee, füttere dann Hunde und Katzen und schaue in der Küche nach, ob das Porridge für die Kinder fertig ist. Dann Rundgang durch die Klassenzimmer, Gespräche mit Lehrkräften und Angestellten, falls Kinder krank sind, Fahrt mit ihnen ins Krankenhaus, Empfang von Besuchern und Eltern, Einkauf in Voi, Besuche beim DEO (district education officer) oder Behörden. Schriftverkehr mit Paten/innen, mit den Helfern von Kenyan Children Help in der Schweiz, kochen für Besucher und dann so um 22 Uhr ab ins Bett.
 

 

Was macht dir am meisten Freude in deiner Arbeit?

 Die glücklichen, zufriedenen Kinder, ihr Lachen und ihre Dankbarkeit. Hier sind Kinder zutiefst glücklich, wenn sie eine Schule besuchen dürfen - sie lernen gerne. Auch die Lehrer/innen zeigen vollen Einsatz und geben ihr Bestes!
 
Was ist dabei die größte Herausforderung?

Am Monatsende jeweils genügend Geld zu haben um die Löhne, Sozialleistungen, Wasser und Strom zu bezahlen, sowie den Lease und für den Einkauf von Lebensmitteln. Oft komme ich mir vor wie eine Seiltänzerin, aber das Universum meint es wohl gut mit uns, in letzter Minute klappt es dann stets.
 
Was möchtest du für die Kinder erreichen, und welche Summe wird dafür benötigt?

Dieses Jahr sollten wir ein zusätzliches Klassenzimmer bauen, damit die Kinder der 8. Klasse  dann die Abschlussprüfung für die Primarschule machen können. Im nächsten Jahr möchte ich dann mit der ersten Klasse der Sekundarschule anfangen, damit die Kinder weiterhin bei uns bleiben können, wenn sie die Primarschule beendet haben - für viele ist die Schule auch ihr zu Hause. Das bedeutet, dass wir dieses und nächstes Jahr wiederum bauen müssen, die Kosten werden pro Jahr ca. EURO 40'000 betragen. Und dann jedes Jahr ein zusätzliches Klassenzimmer für die Sekundarschule. Diese dauert 4 Jahre und anschließend können die Kinder in einem Polytechnikum eine handwerkliche Lehre machen oder die Universität besuchen.
Zur Zeit haben wir noch keine Computerklasse, ich hoffe dass es uns gelingt von der Regierung endlich einmal ein wenig Unterstützung zu bekommen, steter Tropfen höhlt den Stein, so bleibe ich dran und versuche es weiter.
 
Wie kann man dein Projekt am besten nachhaltig unterstützen?

Jede Hilfe ist willkommen, sei es eine kleine finanzielle Zuwendung oder die Übernahme einer Patenschaft für ein Kind, die 50,- € im Monat beträgt.  "Wenn viele kleine Leute viele kleine Dinge tun können sie die Welt verändern!"
 
Was ist dein größter Wunsch für die Zukunft?

Unseren Kindern so viel mitzugeben, dass sie einen guten Beruf ergreifen können. Aber auch, ihnen zu vermitteln, allen Menschen vorbehaltslos und mit Respekt zu begegnen - egal von welcher Ethnie oder Religion sie abstammen. Das Zusammenleben das hier in der Schule so schön funktioniert, hinauszutragen und weiterzuvermitteln. Und natürlich wünsche ich mir dass sie alle in Frieden miteinander leben können. Von "Wozu sind Kriege da" habe ich ihnen das Video gezeigt und ich liebe diesen Hit von Udo sehr, hat er doch Gültigkeit auf der ganzen Welt.

Herzlichen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Kraft, Optimismus und alles Gute für dich und dein Team!

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